10 Jähriges Jubiläum

Wie die Leidenschaft zur Musik verbindet

Das Lufthansa Orchester begeht den 10. Jahrestag seiner Gründung

Das Lufthansa Orchester vereint Mitglieder aus unterschiedlichen Bereichen, Standorten und Berufsfeldern der Lufthansa Group. Es ist seit seiner Gründung erheblich gewachsen und konzertiert längst als vollwertiges Sinfonieorchester regelmäßig mit über 65 Musizierenden vor mittlerweile bis zu 500 Zuschauern.

Auch wenn die Corona-Situation seit 2020 keine Auftritte vor Publikum im Konzertsaal mehr erlaubt hat, konnte sich das Ensemble dennoch mit drei Lockdown-Konzerten bei seinen Fans in Erinnerung rufen (mehr dazu unter www.lufthansa.com/orchester).

Wie berichtet, gab es als besonderes Highlight nun sogar ein früher als erwartetes Wiedersehen der Mitglieder bei den Dreharbeiten zur aktuellen Werbekampagne Lufthansa & You / #TogetherAgain, bei der das Orchester eine Hauptrolle spielen durfte, denn:

„[… ] genau dieses Zusammengehörigkeitsgefühl repräsentiert unser Lufthansa Orchester, das sich aus allen Bereichen des Unternehmens zusammensetzt, […] und das stellvertretend für den besonderen Spirit der Lufthanseat:innen in der Pandemie steht.“

(Quelle: LH-Pressemitteilung vom 09.08.2021; https://www.lufthansagroup.com/de/newsroom/meldungen/togetheragain-lufthansa-startet-kampagne-in-den-usa.html)

Nun steht heute, am 25. August 2021, der nächste Meilenstein in der noch jungen Geschichte des Ensembles an – sein 10jähriges Gründungsjubiläum.

Hierzu haben Felix May, Website-Verantwortlicher und Trompeter im Orchester (beschäftigt als First Officer bei LHA) und Olaf Mielmann, erster Vorsitzender und Pauker im Orchester (beschäftigt als Controller bei HAM T/TC), mit fünf Gründungsmitgliedern des Ensembles ein Interview geführt und sie darin nach ihren ganz persönlichen Erfahrungen aus dieser stürmischen Anfangszeit befragt:

Felix May: Was hat euch dazu veranlasst, sich als Mitglied beim Orchester zu bewerben?

Kathrin Baumeister (Viola, beschäftigt bei FRA L/KP): Als der Aufruf dazu damals im Lufthanseaten kam, war mein erster Gedanke: Wow, ein eigenes Lufthansa Orchester! Da will ich dabei sein! Da ich seit meiner frühen Kindheit Musik mache und in vielen verschiedenen Orchestern gespielt habe, war dies die Erfüllung eines Traumes. Endlich würde ich meine Leidenschaft für die Flugzeuge mit der für die Musik verbinden können.

Quirin Seitenberger (Pauke und früher CFO im Orchester, ehemals bei FRA CR): Ich hatte bis zu meinem Studium sehr viel und sehr gerne u. a. im Bayrischen Landesjugendorchester gespielt, aber durch Umzug und Auslandsstudium war das nicht mehr möglich.

Elke Reich (Violine, beschäftigt als Flugbegleiterin bei LHA): Es war die Erfüllung eines länger gehegten Wunsches, wieder in einem Orchester mitzuspielen, allerdings ließ dies der Vollzeit-Job als Flugbegleiterin nicht zu.

Lutz Neumann (Bassposaune und Pensionär, ehemals bei FRA GI): Für mich stand im Vordergrund, zusammen mit Kolleg:innen gute Musik zu machen und dabei auch Leute aus verschiedenen Bereichen des Konzerns kennenzulernen.

Diana Gersie (Violine und ehemals bei FRA L/KA): Mich hat der Aufruf des examinierten Konzertpianisten Alexander Schawgulidse (beschäftigt bei FRA GK/BI) zur Gründung eines Firmenorchesters motiviert, für das Probespiel wieder zu üben, denn ich hatte bis dahin meine Violine viele Jahre beiseitegelegt und nicht mehr gespielt.

Olaf Mielmann: Es gab ein Probespiel wie bei Profiorchestern üblich?

Lutz: Ja, und das war sehr professionell organisiert und versprach Musik auf hohem Niveau.

Kathrin: Das war ein echtes Casting mit drei unterschiedlichen Musikstücken aus verschiedenen Zeitepochen vor drei Profi-Juroren im LAC-Aufsichtsratssaal – ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal so aufgeregt war!

Felix: Das erste Konzert hatte bereits im Mai 2011 stattgefunden. Was waren eure Beweggründe, anschließend im August die Sparte „Lufthansa Orchester“ im Lufthansa Sportverein Frankfurt zu gründen?

Diana: Ich erinnere mich noch heute: Das erste Konzert war wahnsinnig aufregend. Wir waren nur eine ganz kleine Truppe von vielleicht 25 Spielenden und damit das Konzert das Experiment eines bewegenden Start-ups.

Kathrin: Das hatte bei Musizierenden und Publikum so viel Energie freigesetzt und Spaß gemacht, dass es keine Eintagsfliege bleiben durfte, sondern wie ein kleines Unternehmen auf eine gut organisierte Basis gehoben werden sollte.

Elke: Es war schnell klar, größere Projekte würden Planung und Struktur erfordern, da Kolleg:innen der unterschiedlichsten Konzernbereiche für Proben und Konzerte zusammenkommen würden. Die Struktur eines Vereins war hier sehr hilfreich.

Kathrin: So wurde das Orchester zur damals einzigen „nichtsportlichen“ Sparte im Lufthansa Sportverein Frankfurt e. V., der Beitritt bis heute eine gute Entscheidung.

Quirin: Von den Vorteilen wie Haftpflichtversicherung, Steuerberatung und Gemeinnützigkeit profitieren wir bis heute.

Olaf: Wie kann man sich diese Anfangszeiten des Orchesters vorstellen? Welche Hürden und Herausforderungen galt es zu meistern?

Kathrin: Es war eine fantastische Zeit. Alle waren „heiß“ darauf, gemeinsam Musik zu machen …

Elke: … und am liebsten mehrere Konzerte pro Jahr zu geben.

Lutz: Aber es waren damals noch nicht alle Instrumente besetzt. Beim ersten Konzert musste ich bei der Aufführung der Feuerwerksmusik von Händel die Fagottstimme mit der Bassposaune spielen – das war spannend und atem(be-)raubend.

Diana: Und wir waren noch nicht so bekannt im Unternehmen wie heute, es erforderte viel Geduld und Durchhaltevermögen, um Mitglieder und Publikum hinzuzugewinnen.

Quirin: Es war nach dem ersten Konzert im LAC auch ungewiss, wie ohne Geld und Veranstaltungsort eine zweite Aufführung stattfinden sollte – aber das klappte dann noch im Herbst 2011 mit schon deutlich mehr Mitgliedern und Publikum in der alten Basiskantine. Dort und auch später haben sich die ersten Erfolge der anstrengenden Aufbauzeit schnell gezeigt, nicht zuletzt Dank der Unterstützung unserer ehemaligen Schirmherrinnen und heutigen Ehrenmitglieder Simone Menne und Dr. Bettina Volkens. Auch Dr. Jürgen Weber und Werner Knorr sind zu nennen – Fans und Unterstützer der ersten Stunde bis heute.

Felix: Was hat sich seitdem bis heute geändert?

Elke: Sehr viel! Wir waren anfangs eine kleine, motivierte und musikbegeisterte Truppe, die von knapp 20 auf nunmehr über 65 Mitglieder stetig anwuchs.

Diana: Unglaublich, wie weit wir inzwischen gekommen sind! Aber wir haben immer an uns geglaubt, und uns die letzten 10 Jahre unermüdlich für das Orchester eingesetzt, Hürden und Rückschläge gemeistert, zusammengehalten …

Kathrin: … und am Anfang kannte niemand das Lufthansa Orchester! Heute sind wir etabliert, haben mit Frau von Boxberg (FRA F/VV) eine prominente Schirmherrin als Unterstützerin, werden vom Konzern ideell gefördert und haben in Steffen Milchsack bei FRA CI einen kompetenten und verlässlichen Ansprechpartner in der LH-Organisation. Und unsere Fan- und Fördergemeinde wurde so groß, dass wir den Aufführungsort aus der Basiskantine in die erheblich größere Neue Stadthalle Langen verlegen mussten.

Lutz: Auch unsere ehrenamtliche Organisation ist viel professioneller geworden, es gibt neben dem Orchester-Vorstand einen personellen Unterbau aus Mitgliedern, die bei der Realisierung der Projekte unterstützen. Ferner ist die Besetzung in den einzelnen Instrumentengruppen viel stabiler geworden und lässt auch größere sinfonische Werke zu.
Quirin: Nicht zuletzt durch das unermüdliche Engagement unseres Profidirigenten Colin Touchin ist das Ensemble spielerisch gereift und hat uns in eine neue Qualitätsliga befördert. Seitdem ist die Sprache in unseren Proben Englisch, was mittlerweile unverzichtbar für unsere nicht-deutschsprachigen Mitglieder ist, die für Proben und Konzerte extra einfliegen. Was sich aber nicht geändert hat, sind Spaß und Freude am gemeinsamen Musizieren von Lufthanseat:innen aus unterschiedlichsten Bereichen des Konzerns und Ehemaligen wie mir.

Olaf: Was kommt euch als erstes in den Sinn, wenn ihr an das LHO denkt?

Kathrin: Stolz darauf, Teil einer so tollen Gemeinschaft zu sein, die dem Publikum mit anspruchsvoller Musik Freude bereitet.

Lutz: Genau – tolle Musik mit vielen lieben Kolleg:innen zu erleben. Und im Gegensatz zu vielen anderen Firmenorchestern arbeiten bei uns fast alle Mitglieder wirklich für die Firma des Orchesters.

Quirin: Man freut sich einfach auf jede Probe und jedes Konzert. 

Diana: Da entsteht jedes Mal aufs Neue ein unglaublicher Teamspirit, Zugehörigkeit auf komplett freiwilliger Basis. Man spürt dieses Brennen jedes einzelnen, wie die Leidenschaft zur Musik verbindet und darüber an das Publikum weitergegeben wird. Davon angetrieben setzen alle Mitglieder Zeit, Energie und auch Geld ein, um Teil dieser unglaublichen Dynamik und Freude am Musizieren zu sein. Das belebt mich auch ganz persönlich!

Elke: Wir sind ein großes Ganzes, zusammengekommen aus den unterschiedlichsten Bereichen und Standorten unseres Konzerns. Die Freude zur Musik und zur Fliegerei gleichermaßen ist unser gemeinsames Triebwerk. Diese musikalische Einheit integriert mühelos neue Mitglieder – und wird musikalisch geleitet von einem kosmopolitischen Dirigenten, der auf seine wundervolle Art aus vielen einzelnen Stimmen ein magisches Ganzes zaubert.

Kathrin: Und wir stellen zweimal jährlich ein komplett neues Konzertprogramm auf die Beine, kommen dafür jeweils an nur zwei Wochenenden individuell vorbereitet in FRA zusammen, um dort intensiv und hochdiszipliniert zu proben – das soll uns erst mal einer nachmachen!

Felix: Was fällt euch noch ein, was wünscht ihr euch für die Zukunft?

Diana: Das Orchester verbindet Musik und Lufthansa-Werte als kultureller Repräsentant der Lufthansa Group – nach innen und außen!

Lutz: Manchmal reisen wir auch!

Kathrin: Allerdings, unsere tollen Konzertreisen nach München, Sofia, Puerto Rico und Malta – nach der Rückkehr ist man total ausgepowert, aber im nächsten Moment erwischt man sich bei dem Gedanken, wo wohl die nächste Reise hingehen mag. Hoffentlich wird dies bald wieder möglich sein.

Elke: Ich wünsche uns noch viele solcher emotionalen Momente, wie auch jetzt unsere Teilnahme in dem aktuellen Lufthansa-Werbespot. Möge unser gemeinschaftlicher Spirit intern und konzernübergreifend auf viele Menschen überspringen, trotz oder gerade wegen COVID-19.

Quirin: Was für eine turbulente Anfangszeit und was für erfolgreiche Mühen in den letzten Jahren – ich freue mich schon auf die nächsten 10!

Olaf: Vielen Dank, dass ihr eure Eindrücke geteilt habt, nun kann das Jubiläumsjahr beginnen – hoffentlich schon am 22. November mit dem dann geplanten Konzert in Langen wieder vor Publikum!

Von den Erinnerungen an Vergangenheit und Entwicklung des Orchesters noch ganz in Gedanken, gehen die Gründungsmitglieder auseinander, nehmen ihre FFP2-Masken ab – und fühlen sich nicht zuletzt durch das Gespräch darin bestätigt, vor genau 10 Jahren mit der Gründung des Lufthansa Orchesters das genau Richtige getan zu haben.